Bas Brader

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Jetzt NEu – Interviewserie

Wir möchten Euch schon eine lange Zeit Fotografen vorstellen. Fotografen, die es verdient haben, gefunden zu werden. Fotografen wie Bas Brader. 

Die Bilder von Bas Brader befassen sich mit dem Verfall von Bauwerken und deren Geschichte.
Objekte deren Zukunft oft im Ungewissen liegen und die dem Zerfall ausgesetzt sind.
Bas Brader hat den besonderen Charme dieser Orte in seinen Fotografien festgehalten.

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Das Interview

1. Über Dich! Wer bist du und was machst du?

Ich bin Bas Brader, Baujahr 1974, geboren in den Niederlanden. Mittlerweile lebe ich in Deutschland, wo ich mich sehr wohl fühle. Ich bin von Beruf Customer Support Manager in einer niederländischen IT-Firma. In meiner Freizeit ist die Fotografie meine Passion.

2. Was ist dein Hauptgebiet?

Mein Hauptgebiet ist das Einfangen der Vergänglichkeit. Dies kann man an verschiedenen Orten tun, aber vor allem bin ich dafür in alten Gebäuden unterwegs. Zum Beispiel in alten Industriebauten, Villen, Schlössern, Gutshäusern, verlassenen Psychiatrien und Krankenhäusern. Jeder Ort hat seine Geschichte, und meist ist diese schon längst vergangen. Faszinierend daran finde ich, dass alles, was man vorfindet, irgendwie vergänglich ist. Nichts bleibt für immer so wie es mal war bestehen. Sogar von Tag zu Tag kann man Veränderungen feststellen, wenn man darauf achtet. Staub, der sich niederlässt und aufgewirbelt wird um sich an anderen Orten wieder niederzulassen, Die Natur, die sich Blatt für Blatt, Zweig für Zweig ihren Platz zurückerobert. Es ist eine stetige Veränderung. Meine Bilder halten einen winzig kleinen Moment dieses Lebenszyklus fest.

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3. Wie entstehen deine Arbeiten?

Zunächst einmal mit intensiver Recherche. Ich suche im Internet nach Artikeln und Fotos, und stosse dabei manchmal auf eventuell interessante Gebäude. Google Earth und Google Maps sind auch eine grosse Hilfe. Wenn man in einem Gebiet genügend Orte gefunden hat, wird eine Tour geplant.

Vor Ort bin ich meistens sehr unbedarft, oft habe ich wieder vergessen welcher Name zu welcher Location gehört, also weiss ich in der Regel nicht wirklich worauf ich stossen werde. Ich erkunde sozusagen ohne ein konkretes Ziel einen Ort, und lasse mich inspirieren. Schöne Treppen, grosse Säle, Licht, das durch ein Fenster scheint, manchmal auch nur eine Wand mit abblätternder Farbe, oder ein zurückgelassener Stuhl. Die Motive, die man findet, sind vielfältig! Manchmal komme ich mit vielen Fotos aus einer Location, manchmal ist es nur ein einziges Bild. Ich konzentriere mich lieber auf wenige Motive, die für mich etwas besonderes sind. Wenn ich ein Motiv gefunden habe, schaue ich zuerst nach störenden Faktoren, wie zum Beispiel Müll, und räume dementsprechend auf. Erst wenn ich rundum zufrieden bin fotografiere ich das Bild.

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4. Welche Rolle spielt die Nachbearbeitung in deinen Arbeiten? Womit arbeitest du? Was ist deine Vorgehensweise?

Ich verbringe ungern viel Zeit mit der Fotobearbeitung. Ich gehe lieber raus und fotografiere. Daher entferne ich auch die oben erwähnten Störfaktoren bereits im Vorfeld, um vermeidbare Arbeitsschritte gar nicht erst entstehen zu lassen. Die Natürlichkeit meiner Bilder hat bei mir einen hohen Stellenwert, daher versuche ich die Nachbearbeitung auf ein Minimum zu beschränken. Ich arbeite mit Lightroom und Photoshop. Lightroom verwende ich zur Verwaltung meiner Bilder, sowie für alle grundsätzlichen Korrekturen. Danach verwende ich einen individuellen Worklow in Photoshop um die Kontraste hervorzuheben, da die Hausmittel hier nicht zu meinem gewünschten Ergebnis führen. Bei komplexen Lichtsituationen arbeite ich mit einem manuellen Exposure-Blending, bei dem ich verschiedene Belichtungen miteinander verbinde. HDR benutze ich nicht.

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5. Du bist ja z.T. in unheimlichen und gefährlichen Orten. Was ist deine Lieblingsgeschichte?

Es gibt fast so viele Geschichten, wie es Orte gibt. Das atemberaubendste war, als mein “partner in crime” und ich abends einen Berg hinaufgefahren sind, um eine längst verlassene Radarstation zu besuchen. Für die 10 km Strecke haben wir über. 2 Stunden gebraucht. Teilweise sind wir über Asphalt, aber auch über Sand- und Schuttwege gefahren, um endlich oben anzukommen. Dort hörten wir in kurzen Abständen einen Ton, als ob die Station noch in Benutzung wäre. Auch brannte Licht in einem der Gebäude. Trotzdem konnten wir es nicht sein lassen uns auf das Gelände zu begeben, und uns die vier riesigen Radarschüsseln anzusehen. Schließlich haben wir die Nacht auf dem Berg zwischen den Radarschüsseln mit Nachtaufnahmen verbracht, und den perfekt gelungenen Tag mit einer beeindruckenden Aussicht und einem Bierchen ausklingen lassen. So lässt es sich leben.

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6. Was sind deine Lieblingsfotografen und warum?

In meinem Bereich gibt es einige gute Fotografen. Ein Beispiel ist Ilja Hummel. Seine Fotos sind von einer Qualität, die man nicht oft sieht. Wen ich aber besonders schätze wegen seiner Fotografie und auch als Mensch ist mein “partner in crime”, Sven Fennema. Wir sind fast immer zusammen unterwegs, haben die gleichen Ansichten, und trotzdem kommt bei uns beiden am Ende immer etwas total anderes dabei heraus. Während ich meine Bilder sehr realitätsnah gestalte, bearbeitet Sven seine deutlich intensiver, wodurch sie fast märchenhaft wirken.

7. Gibt es auch Amateurfotografen, deren Arbeiten Du magst?

Einen Amateur möchte ich ihn nicht nennen, eher einen Künstler. Mathieu Osenga ist sein Name. Er versteht es, durch das Einbringen gezielten Requisiten, und einer Person, meist er selbst, an vielen Orten eine Geschichte darzustellen, die er in einem einzigen Bild erzählt. Ich kenne wenige Leute, die so kreativ sind wie er. Ich habe ihn durch unsere gemeinsame Vorliebe für alte Gemäuer kennengelernt. Er macht seine Kunst aber auch an anderen Orten.

8. Was du unbedingt noch loswerden möchtest!?

Haha, ich habe noch einige Werke zu verkaufen, Interessenten können mich also gerne kontaktieren. Aber jetzt mal im Ernst, du fragtest vorhin nach unheimlichen und gefährlichen Orten. Die meisten Locations, die ich besuche, haben es in der Tat in sich. Wir gehen aber sehr vernünftig damit um, und gehen kein Risiko ein. Man sollte nie leichtsinnig sein und die Risiken objektiv einschätzen, also sollte man als Unerfahrener nicht einfach losziehen und in jedes alte Gemäuer hinein stürmen, das man findet.

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Weitere Informationen

www.basbrader.com.

Von dort aus gibt es die Möglichkeit Bas Brader auf Facebook, Twitter und anderen Social Media Kanälen zu folgen.

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